50 Jahre Bundeswehr
Kooperationspartner seit fünf Jahrzehnten: 2004 wurde Rheinmetall Waffe Munition gegründet
Mit der Gründung der Rheinmetall Waffe Munition GmbH, die zusammen mit der Nitrochemie-Gruppe und der RWM Schweiz AG (frühere Oerlikon Contraves Pyrotec AG) seit Mitte 2004 das Rheinmetall-Geschäftsfeld Weapon and Munition bildet, wurde eine Entwicklung fortgesetzt, die – wie im Bereich Landsysteme auch – einen wichtigen Beitrag zur Konsolidierung der deutschen Heerestechnik leistet.

Bereits in den fünf Jahrzehnten seit Gründung der Bundeswehr hatte es immer wieder Kooperationen zwischen den Unternehmen Rheinmetall W&M, Mauser, Buck, Nitrochemie und Nico gegeben, deren Kernkompetenzen, Kräfte und Ressourcen heute unter einem gemeinsamen unternehmerischen Dach gebündelt sind – eine Zusammenarbeit, die trotz der Konkurrenz auf manchen Gebieten immer möglich und auch notwendig war. Der Bund als Auftraggeber vergab seine Fertigungsaufträge meist an zwei Unternehmen, um das Risiko bei einem möglichen Ausfall einer Betriebsstätte gering zu halten. Rheinmetall suchte sich darüber hinaus immer wieder Kooperationspartner oder Unterauftragnehmer, zu denen eben auch die heute unter RWM operierenden Gesellschaften gehörten.

Die 1872 gegründeten Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme hatten als renommierter Hersteller von Handfeuerwaffen Berühmtheit erlangt, für die Bundeswehr u.a. mit dem Hochleistungsgewehr SP 66 für Scharfschützen. In den siebziger Jahren baute das Unternehmen den Fertigungszweig Bord- und Maschinenkanonen für den Mittelkaliberbereich auf. Die MK 20 Rh 202 von Rheinmetall wurde in Oberndorf als zweiter Fertigungsstätte in hohen Stückzahlen produziert. Im März 1995 übernahm Rheinmetall die Gesellschaftsanteile von der Diehl-Gruppe.
Ob rückstoßfreie Kanone im Kaliber 30 mm mit hülsenloser Munition, das Marineleichtgeschütz MLG 27 oder die Bordkanone BK 27 für die Kampfflugzeuggenerationen Tornado und Eurofighter – die früheren Mauser-Werke in Oberndorf nehmen im Mittelkaliberbereich eine führende Rolle bei der Ausstattung der Bundeswehr und der Nato-Streitkräfte ein.
Der zur RWM GmbH gehörende Standort Oberndorf bildet heute gemeinsam mit der RWM Schweiz AG (Zürich) innerhalb des Geschäftsfeldes Weapon and Munition das Kompetenzzentrum für automatische Maschinenkanonen, Waffensysteme und Munition im Mittelkaliberbereich. Flugzeugbordwaffen, Marinegeschütze und Fahrzeugbewaffnungen einschließlich deren Munition sind die Hauptprodukte.

Kompetenter Partner nicht nur der Bundeswehr: Für die moderne, modular aufgebaute Panzerfaust 3, die derzeit bei den Streitkräften in Deutschland, der Schweiz, Japan, Italien und Südkorea in Verwendung ist, liefert RWM seit vielen Jahren die Übungsmunition. (Foto: Bundeswehr / M. Stollberg)
Die Standorte der früheren Gesellschaften Nico Pyrotechnik, Pyrotechnik Silberhütte und Buck Neue Technologien bilden heute den RWM-Produktbereich Schutzsysteme/Pyrotechnik. In Trittau und Silberhütte sind die Unternehmen der Nico-Gruppe seit etlichen Jahren in der Herstellung von Übungsmunition, Nebelwurfgranaten, Täuschkörpern und nicht-letaler Wirkmittel erfolgreich tätig. Ein 1986 vorgestellter "Tarnkappen"-Nebel, System "Alberich", der von Infrarot- und Laserpeilstrahlen nicht durchdrungen werden kann, dient neben vielen anderen Produkten dem Schutz von Truppen oder militärischer Einrichtungen vor feindlichen Angriffen.
Auch am Standort Neuenburg und Fronau ist RWM für die Bundeswehr in der Fertigung von künstlich erzeugten Nebeln tätig. Dieser Tätigkeitsbereich hat eine große Bedeutung für das neue Geschäftsfeld Public-Security, u.a. bei der Vernebelung von Kraftwerken zum Schutz vor terroristischen Angriffen. Der Bereich Selbstschutzsysteme nimmt in der Produktpalette für militärische Abnehmer eine prominente Stellung ein. Besonders hervorzuheben ist das System Maske, das führende Produkt im Bereich infrarot-wirksamer Selbstschutznebel für Gefechtsfahrzeuge. Es wurde gemeinsam mit der Schweizerischen Munitionsgesellschaft in Thun entwickelt und ging im Jahre 2000 bei der Schweizerischen Armee in die Erprobungsphase.

Weltweit einzigartiger Schutz gegen sensorgesteuerte Präzisionswaffen: das Marineschutzsystem Mass.
Auch die Marinescheinziele Bullfighter und Mass sind wesentliche Umsatzträger. Gemeinsam mit der Nitrochemie-Gruppe arbeitet der Standort Neuenburg an der Entwicklung eines Täuschkörpers zum Schutz von Flugzeugen und Helikoptern vor modernen Flugkörpern. Außerdem wurde mit Ramses ein Gerät zum Personenschutz entwickelt, bei dem eine künstlich erzeugte Nebelwand zur Unterbrechung von Sichtlinien führt. Selbst mit einem Nachtsichtgerät oder via Laserentfernungsmesser ist die durch Ramses verdeckte Person nicht zu erkennen.
Der Standort Aschau der Nitrochemie Wimmis AG war in der Vergangenheit ein wichtiger Kooperationspartner Rheinmetalls in der Herstellung verbrennbarer Hülsen für die 120 mm Munition des Kampfpanzers Leopard 2. Seit der Gründung der Bundeswehr sind ein- und mehrbasige Treibladungspulver Bestandteil des umfangreichen Herstellungsspektrums des seit 1992 zu Rheinmetall gehörenden Werkes in Aschau.
Ein großer Fertigungszweig ist seit 1995 die Serienfertigung des modularen Treibladungssystems 155 mm für die Artillerie – kurz: MTLS. Dieses hochmoderne, standardisierte Ladungssystem, bestehend aus zylindrischen Modulen, ersetzte nach und nach die verschiedenartigen Treibladungssysteme der Artillerie.

Das modernste Artilleriesystem der Welt: die Panzerhaubitze 2000.
Mit der Gründung der Nitrochemie AG in Wimmis, einem Zusammenschluss der Nitrochemie Aschau GmbH und der Nitrochemie Wimmis AG, nahm 1998 ein deutsch-schweizerisches Gemeinschaftsunternehmen seine Arbeit auf, das vor dem Hintergrund der Bündelung nationaler Wehrtechnikpotenziale in Europa ein wichtiger Anbieter von Treibladungen, Ladungssystemen und Munitionskomponenten sowie von chemischen Zwischenprodukten ist.
Die Produktion von Nitrozellulose, Rohmasse und einbasiger Treibladungssysteme ist seitdem in Wimmis im Berner Oberland angesiedelt; in Aschau findet die Herstellung mehrbasiger Treibladungspulver, verbrennbarer Formteile und der Chemieprodukte statt.
Die Nitrochemie-Gruppe ist heute Generalunternehmer für Ladungssysteme der Artillerie und Partner der Munitionshersteller für Antriebskomponenten klein- bis großkalibriger Munitionssysteme. Seit Herbst 2001 beliefert Nitrochemie im Rahmen eines Partnerschaftsabkommens auch den größten Munitionshersteller in Großbritannien, Royal Ordnance Defence, mit Treibladungspulvern und verbrennbaren Formteilen. |
 |
cL historia Dr. Christian Leitzbach Hohenstein 150 D-42283 Wuppertal |
| |